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Erzählcafé

- Jahrgang 5 -

im Rahmen des Schulprojekts der Herbert-Quandt-Stiftung

zum vorgegebenen Jahresthema „Aufwachsen – erwachsen werden“

am Donnerstag, 10.12.2009,

um 16.00 Uhr

im Forum der IGS Stierstadt

Wenn Erwachsene über Kindheit reden …

Als wir Kinder waren, waren wir viele. Kerskens gegenüber hatten neun, Oelingers die Straße hoch fünf, und zu Hause waren wir sechs. Jungs spielten Fußball und Mädchen Gummitwist, wir schnitzten Steinschleudern, jagten Hasen. Die Eltern ließen uns laufen, und wenn die Erwachsenen zusammensaßen, bekamen wir einen eigenen Tisch. Aus der ersten Zigarette, so mit elf, wurde gleich eine ganze Packung, danach war uns schlecht, aber niemand hat es bemerkt. Die Welt war groß, die Kinder waren klein. Wir haben Regenwürmer zerteilt und Heuschrecken geschluckt. Bauten Höhlen hinter Hecken und klauten Äpfel von den Bäumen. Machten Feuer, was wir nicht sollten, und fielen von Mauern, was wir nicht wollten. Wir streunten durch die Felder, stauten den Bach und waren immer dreckig. Die schlimmste Strafe war Hausarrest. Wenn wir eine Uhr brauchten, schauten wir hoch zur Kirche. Wir hatten Zeit.

 

Welche Kindheit meinen wir denn? Die eigene in den 60er oder 70er Jahren, als der liebe Gott alles sah? Die von Vater und Mutter im Krieg, als Knirpse Kartoffeln klauten und sich beim Fliegerangriff in Kellern duckten? Zucht und Ordnung bei den Großeltern, als die Rute aus bösen Kindern gute machen sollte? Die Kindheit des 19. Jahrhunderts in Bergwerken, als gebückte Kinder Loren schoben? Oder fangen wir bei den alten Griechen an, bei denen das Wort "Kind" auch Sklave bedeutete? Wenn Erwachsene über Kindheit reden, wird es emotional. Waren die Zeiten wirklich besser, als im Fernsehen niemand Erziehungsberater spielte? Ein "befriedigend" in der Schule keine Heulkrämpfe auslöste? "Pisa" an einen schiefen Turm und nicht an "höher, schneller, weiter" erinnerte? Schüler eher ans Schwänzen dachten als an die schlauen finnischen Kinder, die im internationalen Vergleich so gut sein sollen?

 

Schon im Rahmen des Deutschunterrichts wurden Sie auf diese Thematik aufmerksam gemacht, als Sie in einer Hausaufgabe von Ihren Kindern zu Ihrer eigenen Kindheit und Jugendzeit befragt wurden. Wir möchten in unserem nachmittäglichen Erzählcafé am 10. Dezember  ins Gespräch kommen darüber, wie Ihre Kinder und Sie ihre Kindheit erleb(t)en. Dazu haben wir uns über die Gestaltung der „Ich-Boxen“ Gedanken gemacht, die im Erzählcafé als Grundlage unseres Erzählens genutzt werden sollen. Die „Ich-Box“ wird mit persönlichen Gegenständen oder Symbolen gefüllt, wie z.B. Fotos, kleinen Texten, gemalten Bildern, gebastelten, ausgeschnittenen Gegenständen, Erinnerungen etc., die die Kinder mit ihrer aktuellen Kindheit verbinden.

 

Damit Ihre Kinder mit der Aufgabe nicht alleine stehen, möchten wir Sie bitten, gemeinsam mit ihnen über Möglichkeiten der Ausgestaltung dieser Box nachzudenken und sie bei der Suche, Planung und Organisation von Materialien zu unterstützen, die dafür nötig sind. Dabei sind mit Sicherheit Erinnerungen wichtig und hilfreich, die von Ihnen aus der Zeit aufgehoben worden sind, als Ihre Kinder noch kleiner waren.

 

Engagierte Eltern können auch eine „Ich-Box“ zu ihrer eigenen Kindheit erstellen. Wir würden uns in unserem Erzählcafé auch über den Besuch von einigen Großeltern freuen, die ihrerseits auch von ihrer Kindheit erzählen könnten.

 

Wir bedanken uns im Voraus für Ihre Unterstützung und freuen uns auf ein gutes Gelingen unserer Vorhaben.

 

 

Viele Grüße

Ihr Jahrgangsteam 5     S. Agosta / B. Engelking,   D. Dierking / L. Engelking,    K. Kranz / J. Grigoriadis                                    I. Todt / W. Emmerich,    S. Sulzbach / C. Adam,    G. van Heukelum / H. Pott

 

 

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