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Frankfurter Rundschau am 04.12.2009

IGS Stierstadt

Glück ist ein Moped

Von Olaf Velte

In Stierstadt wurde das Glück verhandelt. Eine Schülerin hat glückliche Momente während eines Aufenthalts in Paris erlebt. Die andere hat eine Zwei plus in Mathe geschrieben: "Glück gehabt." Eine Mutter erinnert sich an glückselige Stunden der Kindheit, in denen sie bis in die Sommerabende draußen spielen durfte. "Glück ist, eine Arbeit zu haben, der man gerne nachgeht", sagt ein Lehrer.

 

Ein heikles Thema, über das sich seit Jahrhunderten nicht nur Dichter und Denker ihre Köpfe zerbrechen. Auch in Stierstadt sind die Ansichten breit gestreut. Erfolg habe mit Glück nichts zu tun, und Zufriedenheit sei etwas anderes - so lassen sich andere Stimmen vernehmen. Was Unglück ist, weis die 14-jährige Anna jedoch genau: der Latein-Unterricht (der glücklicherweise abgewählt werden konnte).

Glückskekse in Griffweite

Die Integrierte Gesamtschule Stierstadt (IGS) hatte ins Erzählcafé eingeladen, wo Schüler des neunten Jahrgangs, gemeinsam mit Eltern und Lehrern, dem "Glück" nachspürten. Trefflich ließ sich bei Kuchen und Getränken, die Glückskekse immer in Griffweite, debattieren. Die Veranstaltung gehört zu dem Projekt "Komm, erzähl mir was! Lebensgeschichten entdecken - die eigene Zukunft gestalten", mit dem die IGS an dem aktuellen Schulwettbewerb der Herbert Quandt-Stiftung teilnimmt. Im Juni kommenden Jahres, wenn das Projekt endet, soll eine ausführliche Dokumentation mit begleitendem Bildband eingereicht werden.

Alle sechs Jahrgänge sind mit eigenen Vorhaben eingebunden. Die Fünftklässler werden sich am Donnerstag, 10. Dezember, ab 16.30 Uhr vorstellen. Jeder Schüler hat eine "Ich-Box" gebastelt, die vom eigenen Leben erzählt. Überhaupt hat das Erzählen einen großen Stellenwert in der Lehranstalt. "Es stiftet Identität", sagt Schulpfarrer Wolfgang Emmerich. Die Projekt-Ideen sollen sich auch im Alltag der "Lebensgemeinschaft Schule" spiegeln. Erzählcafés wird es künftig regelmäßig geben. "Wir möchten die Eigenverantwortlichkeit unserer 820 Schüler stärken und die Beziehungsebenen verbessern."

Im neunten Schuljahr ist "Der Sinn des Lebens" zentrales Thema. Referendarin Chantal Becker, die das Café ins Leben gerufen hat, sagt: "Wir stellen auch eine Verbindung zu den Eltern und Großeltern her und fragen nach deren Glückserfahrungen." Für die 14- und 15-Jährigen habe derzeit ein guter Schulabschluss den höchsten Stellenwert. Einige Mädchen hätten schon weitergedacht und sich Heirat und Hausbau ausgemalt.

Keine Lockerheit

Übers Glück kamen die zwei Dutzend Teilnehmer an diesem Tag schnell zur Institution Schule. Während sich die Älteren entspannt ihrer Lernjahre erinnerten, wollte beim Nachwuchs keine Lockerheit aufkommen. "Die Schule ist härter geworden", sagte Emmerich. Glück war für ihn damals "ein Moped - und tschüss".

 

Einigkeit herrschte darüber, dass Freunde und Familie ein unverzichtbarer Grundstock sind. Das Glück, es kann auch überraschend eintreten. "Wenn Unterricht ausfällt", so Annika mit einem Lächeln.

 

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