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14.12.2009 Lokales Stierstadt Oberursel

In die Seelen der Schüler sehen

Ich-Boxen geben Einblick in die Kindheit, zu der ein eigenes Handy offenbar dazugehört

Von Andrea Rosenbaum

Fünftklässler der IGS schmücken eine Box mit dem, was ihnen wichtig ist. Das Projekt ist Teil des Wettbewerbs «Aufwachsen – erwachsen werden».

Stierstadt. Wie niedliche, kleine Puppenstuben sehen sie aus. Dabei sind sie doch so viel mehr, denn sie spiegeln dass Innenleben von Fünftklässlern der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) wider. Eine Mutter meint treffend: «Es ist wie in die Seelen der Kinder schauen, wenn man sich die Ich-Boxen genauer betrachtet.» Und tatsächlich erfährt, wer in die beklebten und bemalten Schuhkartons der Schüler schaut, eine ganz Menge über ihre Hobbys, Vorlieben und Familienangehörigen.

Die Ich-Boxen sind für den Schulenwettbewerb der Herbert-Quandt-Stiftung entstanden, der in diesem Jahr unter dem Motto «Aufwachsen – erwachsen werden» steht. Wie berichtet, beteiligt sich die IGS erstmals daran.

Die Ich-Box von Tim (10) etwa enthält Siegermedaillen und ein Fingerskateboard auf einer Abbildung eines Motorradrennens. «Das Fingerskateboard steht dafür, dass ich gerne skate, die Medaillen sind vom Handball», schreibt er auf einer Karte, die zur Erklärung neben der Box steht.

Ganz in der Nähe strahlt Tom Leon (10) vor seinem eigenen Werk. Er hat ein Bild von sich, seiner Mutter, seinem Stiefvater und seinem Golden Retriever Sammy auf ein Fußballfeld geklebt. «Das sind alle, die mir wichtig sind, und Fußball ist mein Sport», erklärt er seine Box. Doch dann widmet er sich mit einigen Klassenkameraden dem, was wirklich wichtig für die Kids scheint: Alle haben ein eigenes Handy und schicken sich gegenseitig Mitteilungen oder hören damit Musik.

Alexandra aber hat andere Interessen. Sie hat ihre Box mit einem Fächer, auf dem «Be cool, use wood» zu Deutsch «Sei schlau, benutze Holz» steht, ausstaffiert und dazu geschrieben, dass sie die Natur und die Tiere mag. «Deshalb dürfen in meiner Box auch keine Bilder von Katzen und Hunden fehlen», betont sie. In der Mitte ist ein kleiner Buddha platziert, «weil ich schon in Bhutan war», schreibt die Fünftklässlerin auf ihrer Karte dazu, «und natürlich habe ich meine Familie drinnen».

Deutsch- und Musiklehrer Helmut Pott, einer der Organisatoren, bittet die Kinder, sich zu Eltern und Großeltern an den Tisch zu setzen und herauszufinden, was bei ihnen im gleichen Alter in solch einer Box gewesen wäre. Damit tun sich jedoch viele schwer. Laurenz’ Mama würde sicher noch viel mehr von sich erzählen, als dass sie Monchichis und Flämmchen gesammelt hat, aber ihren Sohn scheint’s nicht wirklich zu interessieren. Auch an den anderen Tischen unterhalten sich die Eltern mehr über Themen wie Weihnachtseinkäufe, während die Jungen und Mädchen ihrem Bewegungsdrang im Forum nachgehen.

Freizeit am Laptop verbringen?

Manche lesen auch die an dünnen Seilen befestigten Steckbriefe der Eltern und Schüler. Dort befindet sich auch die Aussage eines elfjährigen Jungen, der gefragt nach «Welche Gegenstände, Geräte, Spiel- und Freizeitmöglichkeiten stehen dir heutzutage zur Verfügung?» die Antwort gibt: «Eine Wii, ein Plasmafernseher, ein MP3-Player, eine PSP, ein Nintendo DS, ein Laptop, ein Flachbildfernseher, eine PS

Eine junge Mutter, von ihrer Tochter Anastasija interviewt, erzählt auf dem Papier von ihrer Kindheit in den Bergen Kroatiens, die sicher nicht immer einfach war, aber fast schon befreiend nach einer unbeschwerten Zeit in und mit der Natur klingt: «Im Sommer haben wir im Fluss gebadet, und ein Mal in der Woche bin ich mit meiner Freundin drei Kilometer zu Fuß gelaufen, um Milch für die Familie zu holen.» Als Pott dann per Mikrofon nachhakt und den Austausch der Generationen zur Hausaufgabe für die Schüler macht, beginnen die Unterhaltungen an den Tischen etwas reger zu werden.

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