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Taunus Zeitung am 13.07.2009

Erzählen und zuhören können                                

Foto: Jochen Reichwein

Die IGS beteiligt sich am Trialog der Kulturen und hofft auf spannende Geschichten

Wollen sich ein Bild von ihren Mitschülern machen, die aus allen Herren Länder stammen: Weronika, Nikolai, Valenda, Adnan, Guangzhi, Ferdinand und Anna (von links). Zusammen mit ihren Kollegen hat Lehrerin Katja Hammes (2. von links) das Konzept für den Trialog der Kulturen erarbeitet. Foto: jr

Unter dem Titel «Schulen im Trialog – Europäische Identität und kultureller Pluralismus» hat die Herbert-Quandt-Stiftung einen Schulwettbewerb zur interkulturellen Verständigung gestartet. Mit dabei: die IGS Stierstadt.

Stierstadt. «Komm, erzähl’ mir was!» So lautet das Motto eines Projekts der IGS Stierstadt, mit dem sich die Gesamtschule beim Wettbewerb der Bad Homburger Herbert-Quandt-Stiftung beworben hat. Der Jury hat das Konzept so gut gefallen, dass die Stierstädter nun mit 19 weiteren hessischen und Berliner Schulen um den großen Preis ins Rennen geht: Den Siegern winken insgesamt 60 000 Euro Preisgeld. Ziel des Wettbewerbs, der zum fünften Mal ausgetragen wird: Die Verständigung zwischen den Kulturen. Kinder sollen unterschiedliche Glaubensrichtungen kennenlernen – und somit auch mehr über ihre Mitschüler erfahren. Das Thema lautet in diesem Jahr: «Aufwachsen – Erwachsen. Kindheit und Jugend in Judentum, Christentum und Islam heute».

20 Prozent der IGS-Schüler sind nicht-deutscher Herkunft, ein großer Teil davon hat Wurzeln in islamischen Ländern. Was liegt da näher, als diese Kinder und Jugendlichen sowie ihre Familien erzählen zu lassen – über ihre Herkunft, ihre Religion, ihre Geschichte? «Sich gegenseitig etwas zu erzählen und auch zuhören zu können, das ist in Zeiten von Fernsehen und Internet verloren gegangen», konstatiert Lehrer Helmut Pott. «Und Religionen wurden über Jahrhunderte in erster Linie mündlich tradiert», ergänzt Kollegin Katja Hammes. Gemeinsam mit vier weiteren Lehrern haben sie das Projekt ausgearbeitet.

Egal ob im monatlichen Erzählcafé oder in einer langen Erzählnacht, im Religions- und Deutschunterricht oder im HipHop-Projekt: Vom kommendem Schuljahr an werden Geschichten – sowohl ganz persönliche Biografien wie auch Literatur – in allen Klassenstufen der IGS ganz groß geschrieben. Omas und Opas, Gastarbeiter der ersten Stunde, Rapper und Autoren mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund werden eingeladen, über sich, ihre Herkunft und ihren Glauben zu berichten – in und außerhalb der Schule. «Egal ob eine alte Frau oder der Hip-Hopper aus Frankfurt, jeder hat eine spannende Geschichte», so Hammes.

Eine Studie der Quandt-Stiftung in acht europäischen Ländern hatte ergeben, dass Unkenntnis und Vorurteile unter Schülern weit verbreitet sind, dass es allerdings auch positive Beispiele gibt von Schulen, die sich vorbildlich um Wissen und Verständigung unter den drei großen Kulturtraditionen bemühen. Solche Beispiele will die Stiftung fördern.

Wer bin ich eigentlich, wer sind meine Vorfahren, wer ist mein Nachbar? Mit diesen identitätsstiftenden Fragen sollen sich nun auch die Schüler der IGS Stierstadt auseinandersetzen. «Wir leben viel zu sehr neben-, statt miteinander. Das wollen wir mit diesem Projekt ändern», erklärt Lehrer Pott. Schülern, die die Sommerferien in den Heimatländern ihrer Vorfahren verbringen, hat Katja Hammes eine Aufgabe mit auf den Weg gegeben: Fotografieren. «Am Ende wollen wir in unserer Foto-AG einen Bildband herausgeben mit ganz persönlichen Bildern und Texten der Schüler», erklärt die Religionslehrerin. Das stattliche Startgeld der Stiftung über 3500 Euro können die Schüler dafür schon mal gut gebrauchen. tak

Mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Neuen Presse/Taunus Zeitung

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